Judith Holofernes ziemlich solo

Judith und die neuen Helden

Die Sängerin von »Wir sind Helden« macht auf Solo-Tournee im enttäuschend schlecht besuchten franz.K Halt

Keine Chance. Man kann einfach nicht zu einem Konzert von Judith Holofernes gehen, ohne zu vergleichen. Denn Judith Holofernes war zwölf Jahre lang die Stimme der Band »Wir sind Helden« und auch für deren Texte und Botschaften zuständig. Klingt ihr neues Solo-Projekt genauso? Wie macht sie sich allein im Rampenlicht? Wird man die Helden-Band vermissen? Dafür haben sich am Dienstagabend erstaunlich wenige Leute interessiert. Nur rund 150 Tickets wurden verkauft für das Holofernes-Konzert im Reutlinger franz.K. Damit es im Club nicht gar so luftig wirkte, blieb die Tribüne geschlossen und der hintere Teil des Saals abgetrennt.

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Ein Tatort-Gesicht in Tübingen

Axel, sing noch eins!

Als Kommissar Thiel ist Axel Prahl vielen TV-Guckern bekannt. Dass er ein guter Typ ist, ahnte man. Dass er auch gute Musik macht, war jetzt im Sudhaus zu hören

Axel Prahl ist einer der beliebtesten Tatort-Ermittler der Republik, aber weder groß noch schlank. Das dürfte auch in seiner Jugendblüte nicht viel anders gewesen sein. Zum Frauen-Rumkriegen brachte er sich einst das Gitarrespielen bei. Wenig erfolgreich, wie er am Samstagabend im Biergarten des Tübinger Sudhauses verriet: Am Lagerfeuer waren alle anderen längst am Knutschen, zu ihm sagten sie immer nur: Axel, komm, sing doch noch eins! Inzwischen ist der Mann alt und erfolgreich genug, um zu tun, was ihm Freude macht. Musikmachen gehört offenkundig dazu, schließlich war er in jungen Jahren auch schon zeitweise als Straßenmusiker und mit Band zugange. Und so bereist der 54-Jährige gerade Deutschland, mit einem Seebärenbart im Gesicht und einer Band namens Inselorchester im Schlepptau.

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The BossHoss geben sich knauserig

Nach eineinhalb Stunden ist Sense

The BossHoss gelten als Live-Kracher. Das hat sich in Balingen bestätigt. Blöd nur, wenn es mit Pfiffen endet

Yeee-haw! Der Balinger Marktplatz wurde am Freitagabend zur Partymeile für echte Kerle und für Frauen, die auf echte Kerle stehen: Cowboyhüte, massive Stiefel und karierte Baumwolle an allen Ecken. Offenbar war’s auch ein guter Termin, um mal die Tattoos genüsslich spazieren zu tragen. Zum Konzert von The BossHoss waren rund 5 000 Fans gekommen, die meisten von weiter her, der Marktplatz war längst ausverkauft. Und die Erwartung hoch: Erst vor wenigen Wochen hat die Berliner Band einen Preis bekommen. »The BossHoss gewinnen World Music Award als Best Live Act«, jubelte das Management im schönsten Denglisch. Zudem ist einer der beiden Bandköpfe, Sascha Vollmer, ursprünglich Schwabe von der Ostalb, das hätte ein feines Fast-Heimspiel werden können.

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Die Schöneberger kriegt Standing Ovations

Vier viel zu enge Kleider

Deutschlands liebste Moderatorin Barbara Schöneberger hat ihr drittes Album eingesungen und präsentiert es live

Mögen Sie Barbara Schöneberger? Ja? Na klar, so geht’s uns doch allen. Das blonde Lästermaul, Deutschlands beliebteste Moderatorin, eine ironisch zu Markte getragene Shapewear-Leistungsschau auf zwei Beinen. Wer möchte nicht mal einen lustigen Abend mit ihr verbringen? Dazu gibt es in den kommenden Wochen ein paar Gelegenheiten: Die Schöneberger startete am Mittwoch in Stuttgart ihre Deutschlandtournee, bei der sie als Sängerin ihr drittes Album »Bekannt aus Funk und Fernsehen« vorstellt.

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Rainald Grebe macht wieder Glubschaugen

Ständchen für die Republik

Mit dem Orchester der Versöhnung spielte Grebe im Stuttgarter Theaterhaus

Hand aufs Herz: Wann sind Sie zuletzt dreieinhalb Stunden am Stück irgendwo gestanden? Ob Ihre Lendenwirbel, Knie und Moral so was mitmachen, hätten Sie am Montagabend testen können. Da war Rainald Grebe, einer der genialsten Unterhalter dieser Jahre, zu Gast im Theaterhaus. Er zelebrierte mit dem »Orchester der Versöhnung« das neue Programm »Berliner Republik«. Bis halb zwölf, während sein Publikum immer öfter auf die Uhr schaute.

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Max Goldt drechselt Sätze

Wiedererweckte Gehirnzellen

Der Satiriker und Satzbaukünstler Max Goldt war im LTT. Ein paar Zuhörer waren auch dort.

Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendwer den Niedergang der deutschen Sprache beweint. Aber wo waren sie, all die Deutschlehrer, Germanistikdoktoranden, Feuilletonkonsumenten, Genitiv-Apostroph-Lästerer und Falscher-Weilsatz-Frustrierten? Jedenfalls nicht da, wo sie am Mittwochabend hingehört hätten: im Landestheater Württemberg-Hohenzollern. Dort war Max Goldt zu Gast, einer der großen Connaisseure und Bewahrer der deutschen Sprache. Kaum hundert Getreue verloren sich im großen LTT-Saal zwar ein wenig, doch sie ließen sich umso genüsslicher mit dieser unnachahmlich wohlgestalteten Stimme fein ziselierte Spitzfindigkeiten vorlesen.

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James Blunt macht Frauen glücklich

Große Gefühle im Overall

Der viel geschmähte Schmusebarde James Blunt erfreut in der ausverkauften Schleyerhalle mit Ohrwürmern in Serie und irritiert mit Raketenmechaniker-Look

Häme kann ja sehr unterhaltsam sein. James Blunt gilt als Pathos-Verströmer und Schmalzlappen. Irgendein deutscher Musikkritiker hat ihm den durchaus possierlichen Spitznamen »Weinerle« angehängt. Bei den meisten Feuilletonisten ist der Hitkomponist mit dem Falsett-Faible so beliebt wie eine Wurzelbehandlung, und das lassen sie auch raushängen. Ein gutes Beispiel dafür, wie Feuilleton und Normalverbraucher manchmal gründlich aneinander vorbei leben. »Bonfire Heart«, die erste Single aus dem neuen Album des 40-jährigen Briten, stieg auf Platz eins in die Hitparade ein. Die Schleyerhalle war am Samstag randvoll, Zusatzkonzerte in Deutschland sind im Sommer und Herbst anberaumt.

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Ein seltenes Oratorium: „Israel in Egypt“

Eine Hauptrolle für den Chor

Ein guter Griff: Der Chor der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Tübingen feierte mit Händels »Israel in Egypt« sein 50-jähriges Bestehen

Werbung ist kein Phänomen der letzten hundert Jahre. Schon der Komponist Georg Friedrich Händel musste nach einem besonders umsatzschwachen Jahr 1738 dringend in eigener Sache trommeln – und schrieb binnen eines Monats das Oratorium »Israel in Egypt«. Dieses sonst selten aufgeführte Werk hat sich der Chor der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Tübingen ausgesucht, um damit sein 50-jähriges Bestehen zu feiern. Ein guter Griff: Selten spielt der Chor derart die Hauptrolle wie bei Händels frühem Oratorium über Israels Auszug aus ägyptischer Sklaverei.

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„The Voice of Germany“ als Live-Show

Raus aus dem Sofamodus

Fernseh-Lieblinge auf der Bühne bestaunen: Das ging in der Schleyerhalle beim »Voice of Germany«-Konzert

Möge der Beste gewinnen – eine Regel, die bei Casting-Shows im Fernsehen sicher nix zu suchen hat. Da gewinnt »das beste Paket«, also derjenige, der am nettesten aussieht, am formbarsten ist und für die Selbstvermarktung die größten Zugeständnisse macht. Und, ganz wichtig, der bei jungen Mädchen gut ankommt – denn das dürfte mit Abstand die größte Teilnehmergruppe bei den abzockerischen Telefon-Abstimmungen sein. Eine Ausnahme, wenn auch mit Abstrichen, ist »The Voice of Germany«. Da kommt es tatsächlich nur auf die Stimme an, zumindest am Anfang. Unfassbar – und vom Konzept her nicht durchgehalten. Leider: Die vor Weihnachten beendete dritte Staffel hat erneut gezeigt, dass nur diese »Blind Auditions« was Besonderes sind. In den Finalrunden folgt derselbe nervtötende Anruf-Zirkus und das elend überdehnte Warten auf Entscheidungen wie überall.

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„Drei Nüsse für Aschenbrödel“ auf der Bühne

Nicht zu vergleichen

Zum Musical verarbeitet gastierte der Weihnachts-Kultfilm in der Metzinger Stadthalle

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel – ein Film, ohne den es für viele Menschen nicht richtig Weihnachten wird. Das 1973 in der Tschechoslowakei und der DDR produzierte Wintermärchen wird innig geliebt. Sowas macht erfahrungsgemäß all jenen das Leben schwer, die sich an demselben Stoff versuchen. Nun ist es trotzdem passiert: Ein Musical entstand, das im Sommer 2013 Premiere feierte und seit November mit dem Münchener Tourneetheater »a.gon« durch die Lande reist. Am Sonntagabend war das Ensemble zu Gast in Metzingen, die Stadthalle wurde nicht voll.

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