Barockmusik, wie sie klingen sollte

Eine Ode für Cäcilia

Das Barockorchester Reutlingen spielte am Freitag in der Citykirche

Die heilige Cäcilia hat eine ganze Reihe an Jobs, wie die meisten ihrer Kollegen: Sie ist nicht nur Patronin der Kirchenmusik, sondern auch der Organisten, Orgelbauer, Instrumentenmacher, Sänger, Musiker und Dichter. Vor allem im 17. und 18. Jahrhundert stand sie hoch im Kurs, wurde mit einem eigenen Festtag und Kompositionen geehrt. Daran hat man sich nun in Reutlingen erinnert. Vergangenen Freitag war Cäcilientag, und das junge Barockorchester Reutlingen (BOR) von Petra Marianowski griff die Gepflogenheit auf. »Ode for St. Cecilia’s Day« war das Konzert in der Nikolaikirche überschrieben.

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Schwaben-Kult aus der Mäulesmühle

Abhörskandal im Schwaben-Rathaus

Volles Haus und Lachtränen beim neuen Bühnenprogramm der Mundart-Komödianten »Hannes und der Bürgermeister« in der Reutlinger Stadthalle

Dass Mundart nicht automatisch bähmullig ist, den Beweis haben die Komödianten aus der Mäulesmühle schon vor Jahrzehnten angetreten. Seit den 1980er Jahren zerfen und zechen die beiden Kultfiguren »Hannes und der Bürgermeister« munter vor sich hin, auf den Bühnen des Landes und im Fernsehen. Mit ungebrochenem Erfolg: Auftritte sind meist Monate vorher ausverkauft. Auch die Reutlinger Stadthalle wurde am Montagabend voll, ebenso wie beim zweiten Termin am Dienstag.

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Martin Rütter, der Held der Hunde

Kommunikation als Mission

In Martin Rütters Programm »Der tut nix« guckt man tief in Hundeseelen und lacht über Herrchen und Frauchen

Man hat wieder Hund. Etwa fünf Milliarden Euro Umsatz werden in Deutschland jedes Jahr mit Bello & Co. gemacht. Statistisch lebt in jedem zehnten Haushalt ein Hund und bietet seinen Zweibeinern ein bisschen »heile Welt auf vier Pfoten«. Kein Wunder, dass man heutzutage auch als Hundetrainer Kultstatus erlangen kann: Martin Rütter gibt seine Philosophie in den großen Hallen der Nation weiter, so auch in der Porsche-Arena in Stuttgart.

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Volle Allgäu-Dröhnung mit Klüpfel & Kobr

Multimedial deftige Krimi-Show

Kommissar Kluftinger war mit seinen beiden Schöpfern Volker Klüpfel und Michael Kobr zu Gast in der Reutlinger Stadthalle

Regionale Krimis sind im letzten Jahrzehnt schwer in Mode gekommen. Zu den Zugpferden, die auch überregionalen Kultstatus erreicht haben, gehört der Kemptener Kommissar Kluftinger, hinter dem das Autorenduo Michael Kobr und Volker Klüpfel steht. Einst Lehrer und Journalist, sind sie mittlerweile Vollzeit im Kluftinger-Einsatz. Statt Lesungen veranstalten sie Klufti-Allgäu-Erlebnisabende, das selbsterfundene Genre heißt Litcomedy. Am Freitag stand die Reutlinger Stadthalle ganz im Zeichen von Kuhglocken, Misthaufen und anderen Klischees.

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Brandenburgisches Konzert mal mit Klavier

Programm aus der Wunschbox

Metzinger Kammerorchester spielte „Was uns gefällt“

Wie erzieht eigentlich der Lehrer seine Kinder? Was verschreibt der Arzt seiner Frau, wenn sie Grippe hat? Und welche Kompositionen möchte ein Orchester-Musiker spielen, wenn er endlich mal selbst aussuchen darf? Das Metzinger Kammerorchester hat es ausprobiert. Eine Wunschbox wurde aufgestellt, Dirigent Oliver Bensch wertete die Wahlscheine aus, demokratisch, aber auch mit Minderheiten-Schutz. So entstand fürs 36. Herbstkonzert eine Mischung, wie man sie nicht jeden Tag auf einem Konzertprogramm findet – ein kleinteiliges Musikmosaik aus dreieinhalb Jahrhunderten. Rund 200 Interessierte kamen am Sonntagabend zum Zuhören in die Metzinger Stadthalle.

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Der Außerfriesische in Reutlingen

Geboren, um zu blödeln

Otto Waalkes tourt mal wieder (Hollahitiii!) durch die Lande. 1500 Besucher lagen dem 65-jährigen Ostfriesen bei seinem Reutlinger Auftritt zu Füßen

Die Augen von Otto Waalkes glitzern, er badet im Applaus, und das Publikum ist völlig aus dem Häuschen. Es ist 20.08 Uhr, ein Abend in Reutlingen, und Otto hat die Bühne soeben betreten. Das kann ja heiter werden.
Bevor er auftritt, lässt er Infotexte über die Leinwand laufen, Verhaltensregeln von Wodka Gorbatschow bis Plumpsklow. Zur Begrüßung ein schlichtes Hollahitiii, das Publikum setzt ein wie der Bayreuther Festspielchor. Otto trägt eine geflügelte Kappe (15 Euro im Fanshop) und Fusselsträhnen, Schlabberhemd, drunter die zu weiten, zu kurzen Hosen eines Clowns. Oh ja, Otto ist wieder da.

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Poetry Slam direkt aus Kreuzberg

Die Ursuppe, aus der das Känguru stammt

Marc-Uwe Kling und seine Lesebühne »Lesedüne« waren zu Gast im Stuttgarter Theaterhaus

»Kennst du das Känguru? Das Känguru von Marc-Uwe Kling? Nein? Oh, dann schick ich dir mal einen Link für Youtube.« So ungefähr muss es gelaufen sein, als aus dem Berliner Kleinkünstler Marc-Uwe Kling plötzlich einer wurde, der in ganz Deutschland geliebt wird. In zwei Büchern beschreibt er sein WG-Leben mit einem sprechenden, kommunistischen Känguru, das am liebsten Schnapspralinen isst und nie den Müll runterbringt. Band drei ist in Vorbereitung, Amazon sammelt bereits Bestellungen für März 2014. Känguru-Lesungen sind ausverkauft. 2012 bekam Kling den deutschen Kleinkunstpreis und 2013 den deutschen Hörbuchpreis.

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Ein Toy Boy als Rampensau

Eine heiße Nacht

Johannes Oerding ließ im Sudhaus die Funken fliegen

Für die einen ist Johannes Oerding der neue Stern am deutschen Singer-Songwriter-Himmel. Andere sehen in ihm primär den Toy Boy von Ina Müller, der 17 Jahre älteren Sängerin, Kabarettistin und ARD-Moderatorin. Wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Was man dem 31-Jährigen lassen muss: Er ist Vollblutmusiker, der nicht viel mehr braucht als eine Gitarre und eine Bühne. Prompt erweist er sich als Rampensau und macht live richtig Spaß – denn er selbst hat den auch. Das war am Donnerstagabend im Tübinger Sudhaus zu spüren, wo der für ein Open Air angekündigte Oerding wetterbedingt im stickigen Saal spielte, exakt zwei Stunden lang.

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Wortakrobat Willy Astor rappt neuerdings

Grilling me softly

Willy Astor stellte im überhitzten franz.K sein neues Programm vor: »Nachlachende Frohstoffe«

Der heutige Hipmensch unterscheidet zwischen »Places to be« und »Places not to be«. Am Samstagabend im franz.K konnte man beides auf einmal haben: drei Stunden ausgelassenes Gelächter mit Wortverdreher Willy Astor (»Place to be«) – und drei Stunden atemberaubende Sauna in einem ausverkauften Saal, der bei solchen Außentemperaturen eigentlich gar nicht bespielt werden dürfte (»Place not to be«). Oberschwitzer Astor erntete völlig verdient Standing Ovations. Wegen großer Nachfrage stellte er sich am Sonntagmorgen erneut auf die franz.K-Bühne.

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Maren Kroymann auf musikalischer Zeitreise

Ein Chamäleon würzt nach

Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin: Beim Konzert im Sudhaus waren Maren Kroymanns viele Talente zu sehen

TÜBINGEN. »In My Sixties« hat Maren Kroymann ihr neues Bühnenprogramm genannt. Dafür hat sie auch allen Grund: Die Sängerin, Kabarettistin und Schauspielerin zelebriert mit ihren 63 Jahren gerade ihre persönlichen Sechziger-Jahre, was sie ausgesprochen genießt, soviel ist klar. Zweitens hat sie dafür die Musik ihrer Jugend aufpoliert, Hits und Vergessenes aus den 1960er-Jahren – einer Zeit, der sie in ihrem gut zweistündigen Programm zugleich zünftig den Kopf wäscht. Zu hören und sehen war all das am Sonntagabend im Sudhaus.

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