Urban Priol und der brabbelnde Dorfpöbler

Fachkräftemangel in der Politik

Für politisch denkende Menschen ist die Wirklichkeit kaum noch zu ertragen. Wie tief kann Niveau sinken? Wie unterkomplex kann man mit den großen Fragen dieser Zeit umgehen? Was für Idioten treffen die gefährlichen Entscheidungen? Zuflucht bot am Samstag das Tübinger Sudhaus: Dort gastierte Urban Priol. Vor einem ausverkauften Saal rückte er so manches zurecht.

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Mit Ulrich Tukur unterwegs gen Süden

Ein inneres Italien

Eine Art Gruppenreise: Ulrich Tukur nahm das Publikum mit in sein Venedig

Es ist grau draußen, so grau, dass es fast wehtut. Nass und kalt sowieso. Man würde dem allzu gern entfliehen. Am Freitagabend war das einfach: Ulrich Tukur hatte sich angekündigt mit einem Programm namens „Eine Nacht in Venedig“. Der Mozartsaal der Liederhalle war ausverkauft. Etwa 100 Minuten lang war drinnen alles anders als draußen. Denn Tukur las, plauderte, sang. Vom Süden, von Liebe, vom Sterben, von Freundschaft und Milchschaum. 100 Minuten, in denen der graue Schwabenwinter seine Macht verlor und die Erdenschwere vielleicht auch.

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Silje Nergaard mit der Elfenstimme

Schlafwandlerisch

Die norwegische Jazz-Sängerin Silje Nergaard war am Samstagabend im franz.K

Manche Künstlerinnen und Künstler erfinden sich alle paar Jahre neu. Dabei kam oft Schönes raus und auch viel Schrott. Andere sind und bleiben, wer sie sind. Zu denen gehört Silje Nergaard. Die 59-jährige norwegische Jazz-Soul-Folk-Pop-Sängerin ist auf Wintertour durch gemütlichere europäische Locations und stoppte am Samstagabend im franz.K.

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Konstantin Wecker nicht am Klavier

»Ich will die Zeit noch nützen«

Mit 78 Jahren singt und deklamiert Konstantin Wecker die »Lieder seines Lebens«. Seine Tour machte auch in Reutlingen Station.

Altwerden ist nichts für Feiglinge – das hat vor bald 100 Jahren eine Hollywood-Legende gesagt. Der Spruch hat manche sicher schon beschäftigt, bevor sie Tickets fürs Konstantin-Wecker-Konzert in der Reutlinger Stadthalle gekauft haben. Am Freitagabend konnte man fast drei Stunden lang drüber nachdenken. Genug Anlass gab es: Da vorne stand, lehnte und saß einer, der das Leben immer zelebriert hat, auch dafür liebte man ihn. Jetzt baut er ab. Unübersehbar. Sein Körper macht nicht mehr mit. Wie geht ein Konstantin Wecker damit um? Und was bedeutet das für alle, die mit ihm älter werden? Für die eigene Vergänglichkeit?

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Annett Louisan im Schlosshof Tübingen

Wechseljahre einer Königin

Huch: Die mädchenhafte Annett Louisan ist auch schon alt genug für eine Jubiläumstournee!

Es war ein Konzertabend wie aus dem Bilderbuch. Der Tübinger Schlosshof war am Donnerstagabend eine Traumkulisse. Die Stuhlreihen voller freu-freudiger Fans, wohlig dank Weinschorle oder Funktionsjacke. Kurz nach sieben dann die ersten sanften Klänge von Klavier, Geige, Akustik-Gitarre. Da lehnt man sich erst mal zurück, lässt den Blick schweifen, summt leise mit und genießt.

Wir erinnern uns: 2004 hat Annett Louisan die Frauenwelt spontan entzweit mit ihrem Trällerchanson »Das Spiel«. Jenem ersten und bislang auch einzigen Hit, der so ironisch-kokett mit Frauenbildern umsprang.

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Helge Schneider und seine Elder Statesmen

Schöne Schnurren und schöne Töne

Wer Hirn und Seele dazu einladen will, einen Abend lang wie quietschbunte Einhörner durch weite, surreale Landschaften zu traben, kann sich dazu allerhand Substanzen bedienen. Oder ein Ticket für Helge Schneider erwerben. Der 69-Jährige tourt wieder durch die Lande und war am Mittwoch in der Stuttgarter Liederhalle. Gute zwei Stunden nahm er einen mit in ein Land, in dem die Instrumente zahlreich sind, Musik und Musiker hervorragend und Wahrheiten elastisch.

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Ikonisches von Toto in Stuttgart

Luftgitarre, Luftschlagzeug und ein paar Pommesgabeln.

»Weißt du noch?« Ein Satz, um den man nicht herumkommt, wenn man die 50 erst hinter sich hat. »Spürst du es noch?« Wenn man‘s nochmal spüren will, hilft oft Musik. Am Dienstag war in der Porsche-Arena ein feines Wiederhören und Wiederfühlen anberaumt worden: Die Achtziger-Altmeister von Toto schauten endlich wieder bei ihrer schwäbischen Fan-Familie vorbei. Zeit für alte Konzert-T-Shirts, für Luftgitarre, Luftschlagzeug und ein paar Pommesgabeln.

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Andreas Kümmert zu Gast in Glems

Der Mann hat den Blues

Bei Harry Potter gibt es den Unsichtbarkeits-Mantel. Der fällt einem ein, wenn man am Donnerstagabend zuschaut, wie Blues-Musiker Andreas Kümmert auf die Bühne des Glemser Hirsch läuft. Im Couch-Look. Seitlich rein, den Blick gesenkt. Am Bühnenrand legt er seine Brille weg, atmet nochmal tief durch. Man hat das Gefühl, Kümmert würde gern so einen Harry-Potter-Mantel tragen. Und man würde ihm auch gern einen geben. Der Moment geht vorbei. Kümmert greift zur Gitarre, stimmt sie ein bisschen und schleicht sich dann mit einem Rhythmus ins erste Stück. Ab dann – Musik.

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Pfullinger radelte in die Türkei

Oliver Messelberger fuhr mit dem Fahrrad durch neun Länder zur Hochzeit seiner Schwester

2965 Kilometer waren es von Pfullingen bis nach Ayvalık an der türkischen Mittelmeer-Küste. Oliver Messelberger aus Pfullingen hat diese Distanz mit seinem Fahrrad zurückgelegt – einem Fahrrad ohne Elektromotor. 19 Tage hat er dafür gebraucht. Das Ziel: die Hochzeit seiner Schwester.

Oliver Messelberger fährt viel Fahrrad. Auto hat der 25-Jährige gar keins. Zum Arbeitsplatz bei Wafios in Reutlingen pendelt er jeden Tag auf zwei Rädern. Urlaub macht er ebenfalls gern mit dem Rad: Elbe-Radweg und Rhein-Radweg sind bereits abgehakt, 2019 ist er einmal um die Ostsee herum gefahren. Als seine kleine Schwester zu ihrer Hochzeit in die Türkei einlud, lag es quasi nahe: Oliver fährt mit dem Rad dorthin. Im Sommer 2024 war das, Mitte Juli bis Anfang August war er unterwegs. Er kam zwei Tage zu früh an, vor dem Rest der Familie. „Ich hab erst mal mein Rad abgestellt und bin im Meer baden gegangen“, berichtet er.

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Willy Astor spielte in Reutlingen mit Wörtern

Kein Lachkräftemangel beim Aloneunderholder

Zu Giganten geht man mit Grummeln im Bauch. Hat er es noch drauf? Oder hat es es eher hinter sich? Bei Willy Astor traf am Samstagabend beides ein bisschen zu. Aber mehr drauf als hinter sich. Die Menschen in der vollen Reutlinger Stadthalle feierten ihn angemessen, wenngleich weniger herzlich als früher. (Wann wird man eigentlich zu alt für Standing Ovations?)

Mit 63 Jahren ist die Markenbildung bei Willy Astor abgeschlossen. Er tut, was er immer tat, und macht das weiterhin grandios. Klar, er hat ja auf dem zweiten Bildungsweg an der Araltankstelle noch seinen Kanister gemacht. Die einen nennen es Wortakrobatik, die anderen Tüftelei. Und natürlich hat es auch mit Musik zu tun. Er kidnappt Melodien und versieht sie mit aberwitzigen neuen Texten und Themen. Daraus baut er Medleys, klampft ironisch und ernst, verbiegt Wörter und wiederholt so manche Pointe, bis die Groschen fallen und genügend Menschen mitlachen.

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