Lesestoff

Revolution fürs Ballet

Eine Revolution fürs Ballett

Die Pfullingerin Sophia Lindner hat einen Spitzentanz-Schuh entwickelt, der Tänzer nicht mehr quält

Professionelle Ballett-Tänzer gibt es nicht so viele, man kennt sich. Die meisten Profi-Tänzer hierzulande kennen inzwischen auch eine junge Frau, die in Pfullingen aufgewachsen ist: Denn Sophia Lindner hat eine völlig neue Art an Ballettschuhen entwickelt. Darauf hat die Ballett-Welt offenbar lange gewartet.

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  • 9. Februar 2019

Ehring entlarvt

Vegane Kinderlieder

Christian Ehring inszeniert sich selbst als Gutmensch: urkomisch, aber nicht nur zum Lachen

Christian Ehring ist einer dieser Gentleman-Kabarettisten. Anzug, paar Lieder am Klavier und kaum Grimassen. „Keine weiteren Fragen“ heißt sein Programm, mit dem er Samstag zu Gast war im gut gefüllten franz.K beim Kleinkunstherbst. Die Fernsehkundschaft kennt ihn als etwas steifen Moderator der ARD-Satiresendung „extra3“ wie auch als häufigen Gast im Konkurrenzprodukt „heute show“ des ZDF. Und siehe da, auch im Fall Ehring übertrumpft der Echte den Flimmernden um Welten.

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  • 17. Dezember 2018

Sternekochs Lesestündchen

Weil Kultur nicht wehtun muss

Sternekoch Vincent Klink präsentierte im Tübinger Sparkassen-Carré sein Buch: „Angerichtet, herzhaft und scharf! Aus meinem Tage- und Rezeptebuch“

Klingonen? Äh, nein. Wobei – das mit den Sternen ist gar nicht so falsch. Klinkianer waren es, die sich am Montagabend im Tübinger Sparkassen-Carré versammelten. Zumindest begrüßte Verleger Hubert Klöpfer die Fans des Sternekochs Vincent Klink als solche. Der mittlerweile 69-jährige Klink ist offenbar nicht ausgelastet damit, in seinem Degerlocher Restaurant Wielandshöhe Zungen zu verzücken. Er will auch an die Hirne ran und an die Lachmuskeln. Klink schreibt schon lange. Nun hat der Tübinger Klöpfer&Meyer-Verlag ein Buch zusammengestellt. Am Montag las Klink Auszüge und erzählte erfreulich viel drumherum.

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  • 5. Dezember 2018

Die multiple Christine Prayon

Die tausend Gesichter der Christine P.

Wer Christine Prayon nur als Birte Schneider aus der heute-show kennt, hat was verpasst

Die beliebte Schauspielerin und Kabarettistin Christine Prayon ist tot. Sie starb am Mittwoch in Reutlingen. Während ihres Auftritts im mit rund 200 Gästen gut besuchten franz.K hörte ihr Herz völlig überraschend auf zu schlagen. Todesursache war ein erschnorrtes Rachengold-Bonbon. Während das Publikum noch grübelte, ob man in so einem Moment laut lachen darf oder gar muss, gab Prayon auf der Bühne schon wieder kräftig Gas. Irgendeine ihrer multiplen Persönlichkeiten, irgendeine geht ja immer.

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  • 30. November 2018

Lisa Fitz haut daneben

Starkes Weib mit seltsamen Tönen

Lisa Fitz zeigte sich als große alte Dame des deutschen Kabaretts und langte daneben

„Dieter Hildebrandt, der fehlt mir so.“ Szenenapplaus für Lisa Fitz, die am Donnerstag im ausverkauften franz.K vor allem Hildebrandts und ihr eigenes langjähriges Publikum versammelt hatte. Fitz verbrachte mit ihrem Programm „Flüsterwitz“ netto knapp zwei Stunden auf der Reutlinger Bühne – mit einer Energie und Präsenz, dass man ihre 67 Jahre meist vergaß. Und mit einer Mischung aus Bildung und Biss, dass die meisten reichweitenstarken Comedy-Bürschchen daneben albern wirken. Ein perfekter Kabarett-Abend war es trotzdem nicht. Die ersten seltsamen Töne kamen früh, und es wurden mehr.

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  • 25. November 2018

Alice Schwarzer liest vor

Übers politisch Korrekte hinaus

Mit Alice Schwarzer unterwegs in Algerien

Eine Grande Dame der deutschen Frauenbewegung ist sie zweifellos, inzwischen 75 Jahre alt, und ihre Themen werden weicher: Alice Schwarzer hat ein Buch veröffentlicht über ihre Freundschaft zur Großfamilie einer algerischen Journalistin. „Meine algerische Familie“ heißt es. Und wer sich an der politischen Korrektheit dieses Possessivpronomens aufhalten mag, der hätte am Donnerstag in Tübingen noch manchen Grund zum Grollen gefunden. Wäre aber Außenseiter geblieben: Die über 250 Zuhörenden im Museum, fast alles Frauen, begegneten Schwarzer als einer langjährigen Wegbegleiterin, spürbar freundschaftlich-entspannt.

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  • 25. November 2018

Roger Hodgson tut es immer noch

Super: Supertramp ohne Supertramp

Roger Hodgson genoss seine alten Hits in der Liederhalle

Die große Abschiedstournee ist gerade mal 35 Jahre her: Anno 1983 nahm Roger Hodgson seinen Hut. Der Brite verabschiedete sich von jener Band, die er mit gegründet hatte, der er Hits geschrieben hatte, deren penetrant-unverwechselbare Stimme er gewesen war: Supertramp. Damals Weltstars.

1983: Manche Musikhörer-Generationen erinnern sich noch an die Zeit, in der Musik in Vinyl gepresst nach Hause geholt wurde, wo man die Nadel des Plattenspielers beim ersten Hören trotz Aufregung sacht aufzusetzen versuchte und nach ein paar Liedern umdrehen musste. Alben hörte man damals noch am Stück. Mehrfach. Diese Vinyl-Erinnerer-Generationen (und wohl viele Auf-CD-Nochmalkäufer) waren es, die am Donnerstag den Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle nahezu komplett füllten, rund 2100 alte Freunde, die sich spürbar auf einen Abend mit dem 68-Jährigen freuten.

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  • 9. September 2018

Sommernacht mit Sting und Shaggy

Englishman und Jamaicaman

Altmeister Sting und Reggaeman Shaggy spielten ein Open-Air-Konzert im Schloss Salem

Oh wie schön – Altmeister Sting spielt im Sommer ein Open Air. Oh Gott, aber mit Shaggy? Das ist der, der in den 1990ern banal-obszöne Ohrwürmer wie „Boombastic“ und „Oh Carolina“ verbrochen hat – igitt, sofort das Radio ausschalten! Sein Künstlername leitet sich von einem Gossenwort für Sex her. Seine Songs klingen alle ähnlich, nach maximal nervigem Pop-Reggae. Der Volksmund weiß: „Was sagt der Reggae-Fan, wenn die Wirkung seiner letzten Tüte nachlässt? – Mach doch jemand mal die Scheiß-Musik aus!“

Also gut. Schloss Salem im Bodenseekreis ist eine Bilderbuch-Kulisse, der Sommerabend wolkenlos und zusehends pastellfarben, das Konzert am Montag komplett ausverkauft, und auf dem Gelände riecht es eher nach Fritteuse und Grill als nach süßlichem Rauch. „Lass dich drauf ein“, haben sie gesagt. „Das neue gemeinsame Album ist erstaunlich gut, du wirst Spaß haben“, haben sie gesagt. Na, dann wollmer mal.

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  • 26. Juli 2018

Katrin Bauerfeind über die Liebe

Heimgehen, Mama anrufen!

Katrin Bauerfeind knöpft sich die Liebe vor

Fernsehgesicht sein. Ist das eigentlich ein richtiger Beruf? Und was, wenn man jung schon zum Fernsehgesicht wurde, muss man es 50 Jahre bleiben? Katrin Bauerfeind ist so ein Fall. Die kennt man, die gehörte Jahre zur Harald-Schmidt-Show, die hatte zig eigene Sendungen und Talk-Formate, seitdem sie Mitte der 2000er als Studentin mit „Ehrensenf“ bekannt wurde und einen Grimmepreis bekam. Jetzt ist die Schwäbin aus Aalen mit der markant tiefen Stimme und der dreckigen Lache gerade 35, und es wird stiller um sie. Da muss man doch was tun!

Bauerfeind schrieb ein Buch, „Alles kann. Liebe muss“, und weil sie zum reinen Vorlesen nicht taugt, ist sie jetzt mit „Liebe. Die Tour zum Gefühl“ durch deutsche Hallen unterwegs. Am Pfingstsamstag war sie im Stuttgarter Theaterhaus und verbuchte das, sofort begeistert drauflosschwäbelnd, als Heimspiel. Durchaus zu Recht.

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  • 22. Mai 2018

Headhunter in Metzgerei

Beim Personal geht’s um die Wurst

Metzgereien im Schwabenland kämpfen fast mit Wildwestmethoden um gute Leute

Neulich beim Metzger: „Ein Leberkäs-Weckle, bitte.“ Der Kunde zahlt, lächelt nett und isst am Stehtisch der Metzgerei. Hinterher kommt er erneut zur Theke und spricht eine der Fleischerei-Fachverkäuferinnen leise an: „Ich habe Sie beobachtet. Sie machen das sehr gut. Rufen Sie mich nach Feierabend mal an, ich kann Ihnen ein gutes Angebot machen.“ Er schiebt eine Visitenkarte über die Theke und geht. So oder so ähnlich spielt es sich auch an den Wursttheken der Region ab, wie erboste Metzger klagen, die inzwischen Angst haben müssen um die wenigen Fachkräfte, die es in der Branche noch gibt.

Headhunting ist nichts Neues. Eine ganze Branche ist darauf spezialisiert, freie Stellen zu besetzen. Im Auftrag von Unternehmen suchen Headhunter den richtigen Geschäftsführer, Fachingenieur oder Abteilungsleiter und werben ihn dort ab, wo er bislang angestellt ist. Je höher die Gehälter, desto mehr Geld fließt, und Geld entscheidet auch so manchen Loyalitätskonflikt. Mittlerweile ist diese Jagd nach guten Köpfen auch in schwäbischen Metzgereien angekommen.

Den Artikel weiterlesen in der Schwäbischen Zeitung vom 18. April 2018.

Eine kürzere Fassung ist im Reutlinger General-Anzeiger vom 3. Mai 2018 (Paywall).

  • 19. April 2018
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