Lesestoff

Muttergottes in Oberbayern

Eine Verabredung mit Maria

Hunderte Gläubige haben am Samstag im oberbayerischen Unterflossing auf die Muttergottes gewartet

Samstagmittag halb zwei in Unterflossing. Die ersten sind schon da, haben es auf die Parkplätze mit dem kürzesten Fußweg abgesehen. „Es kommen halt viele alte Leute, die nicht weit laufen können“, erklärt eine rotbackige Frau und berührt den Arm der Reporterin. „Kommen Sie auch? Ja? Das ist schön.“

Sie haben Klappstühle, Rucksäcke und Blumen dabei. Sie schlüpfen in Extra-Wollsocken und Moonboots, sie zwängen sich, an den Kotflügel gelehnt, samt Cordhose in die Skihose. Der Wind pfeift eisig an diesem Nachmittag in Unterflossing, jenem oberbayerischen Örtchen mit etwa hundert Seelen und einer Kapelle, die sich neuerdings als überregionaler Treffpunkt für Mariengläubige etabliert.

Den Artikel weiterlesen in der Schwäbischen Zeitung vom 19. März 2018.
Eine kürzere Fassung ist in der Augsburger Allgemeinen vom 19. März 2018.

  • 19. März 2018

Ewige Achtziger bei Toto

Einmal „Africa“ zum Mitsingen, bitte

Die Band Toto feiert ihr 40-jähriges Bestehen mit einem neuen Album, einer Welttournee und treuen Fans

Wer in nächster Zeit ein Fest plant und die Feiernden untertags in zwei Gruppen aufteilen will, sei es für eine Besichtigung oder ein Ballspiel, dem sei die Band Toto empfohlen. Wenige Takte genügen vollauf, um die Anwesenden sauber zu halbieren. Eine Hälfte wird fluchend fliehen. Nennen wir dieses Team der Einfachheit halber „Iiih, hör auf mit dem Achtzigerscheiß“. Die andere Hälfte bleibt und verlangt verzückt mehr. Zuerst das percussiongetragen tröpfelnde „Africa“, das wohl jeder mal als A-cappella-Version eines sich für progressiv haltenden Chors gehört hat. Dann das dank Gitarrenriff in drei Sekunden identifizierbare „Hold the Line“. Oder „Rosanna“ mit dem vertrackten Rhythmuswechsel. Und natürlich das optimistische „Stop loving you“. Ja, genau so klangen die Achtziger. Und der Dienstagabend in Stuttgart auch.

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  • 15. März 2018

Helene Fischers große Materialschlacht

Der perfekte Zirkus

Helene Fischer überschüttete die Schleyerhalle rund drei Stunden mit inszenierter Musik

Neulich hat sich mal einer die Mühe gemacht, alle Rekorde aufzulisten, die der Deutschen herzallerliebste Helene inzwischen hält. Einer fehlte: Frau Fischer ist die Erste, die es je schaffte, dass die Schleyerhalle fünf Abende in Folge ausverkauft ist. Am Dienstag ging es los, der GEA war dabei.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 1. Februar 2018

  • 1. Februar 2018

Ein Abend mit der Prenzlschwäbin

Schwabenhass für Anfänger

Bärbel Stolz wurde als Prenzlschwäbin internet-berühmt. Ihr Auftritt in Reutlingen war ausverkauft

Was man als an der Scholle hängender Schwabe über Jahrzehnte nicht mitbekam, hat das Internet zum Allgemeingut gemacht: In Berlin sind Zugezogene aus Südwestdeutschland herzlich unbeliebt. Sie gelten als betulich, besserwisserisch und arg bio. Mancherorts auch als treibende Kraft hinter Gentrifizierung, jener umstrittenen Schick-Sanierung ganzer Viertel, die Alteingesessene mit kleinerem Budget vertreibt. Bärbel Stolz hat als »Die Prenzlschwäbin« in der Reutlinger Stadthalle dem Berliner Schwabenhass ein komödiantisches Denkmal gesetzt.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 27. November 2017

  • 30. November 2017

Deutschpop an der Schlagergrenze

Bendzkos Lampenladen

Die Reutlinger Stadthalle war schockverliebt in Tim Bendzko

Es war einmal – ein nettes kleines Popmärchen. Der kleine Tim singt so dermaßen gern, dass er zwischen seinen großen Auftritten auch immer ein paar Mini-Konzerte spielen will. Das tut er quasi in seinem Wohnzimmer, um sich besonders wohlzufühlen. Offizielles Motto: »Mein Wohnzimmer ist dein Wohnzimmer.« Ergo, so weiß es das Märchen, lässt er sich seine eigenen, privaten Wohnmöbel durch die ganze Republik karren. Schon seit Jahren. Auf den mittelgroßen Bühnen dieses Landes werden sie dann flugs aufgebaut, weinrote Retro-Plüsch-Sesselchen und brokatbortige Stehlämpchen. Voll gemütlich!

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 10. November 2017

  • 10. November 2017

Esoterische Stunden bei James Blunt

Pop-Yogi

James Blunt, der Mann für inbrünstig gesungene Emotionen, startete seine neue Deutschland-Tournee

Diese Bilder sind soo entspannend. Sacht gekräuseltes Wasser, Licht reflektiert darin. Eine Feder, herangezoomt zu maximaler Flauschigkeit. Sternenhimmel. Sonnenstrahlen. Ist es der Yoga-Raum eines esoterisch angehauchten Nobelhotels? Nein, es ist die neue Bühnendeko von James Blunt.

Ja, genau der, dessen Mega-Hit »You’re Beautiful« glühend geliebt oder glühend gehasst wird und der sich zwölf Jahre später noch immer an seinem Weichspüler-Image abarbeitet. Das neue Album »The Afterlove«, es ist das fünfte, bringt ihn da durchaus voran. Es pflegt noch die unverstellte Gefühligkeit, hat aber auch neue Einflüsse, ist cooler, elektronischer, tanzbarer und zwischendurch politisch. In Stuttgart war am Donnerstag der Auftakt zu Blunts neuer Deutschland-Tournee.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 14. Oktober 2017

  • 16. Oktober 2017

Fachmagazin für Ziegel-Fans

Der Ziegelpionier von Luxemburg

Ein weiteres Lieblingsprojekt gibt es nun auch im Internet: Für den Baustoffhersteller Wienerberger schreibt Renkenberger.txt regelmäßig Magazine über besondere Menschen – und über die Bauprojekte, in die sie ihr Herzblut investieren.

Den Ziegelbaumeister über Jean-Luc Majerus kann man jetzt herunterladen.

  • 2. September 2017

Zuccheros italienischer Abend

Gemütliches Gartenfest mit Zucchero

Die Generation Ü50 traf sich auf den Tübinger Mühlbachäckern

Italo-Pop. Dieses Wort wird gemeinhin mit angewidertem Unterton ausgesprochen. Okay, daran ist Eros Ramazzotti nicht ganz unschuldig. Wer das sonst überhaupt sein könnte, diese Frage löst nördlich der Alpen oft nur Schulterzucken aus. Erstaunlich, wie vielen Menschen mit eigentlich gutem Musikgeschmack da so manches entgeht. Zuallererst Zucchero: ein Elder Statesman der Rockmusik, in einer Liga mit Bruce Springsteen und Joe Cocker zu verorten. Er macht Musik mit Bono von U2, Mark Knopfler von den Dire Straits, mit Eric Clapton und B. B. King, Pavarotti und Andrea Bocelli.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 24. Juli 2017

  • 24. Juli 2017

Fast-Heimspiel von Dieter Thomas Kuhn

Jeder Mensch braucht Rituale

Dieter Thomas Kuhn lud zum Peace-, Love- und Freudenfest in die Reutlinger Stadthalle

Der Großmeister des schön nachgesungenen Schlagers hatte wieder Schichtbeginn. Dieter Thomas Kuhn ist ab sofort auf Tour, am Freitagabend in Reutlingen gab es ein Beinahe-Heimspiel-Konzert zum Warmwerden. Wie heißt die aktuelle Sommerreise doch gleich? Komplett irrelevant, eigentlich. Aber hier, fürs Protokoll: »Im Auftrag der Liebe – Teil 2«. Und selbstverständlich ist alles genau so, wie es sein muss und immer ist. Eine Welle Off-Season-Fasching überrollt am sommerlichen Abend die Reutlinger Altstadt; überall wandeln und kichern vorfrohe Menschen mit Blumenkränzchen und Plateausohlen, mit Sonnenblumen-Installationen an Haupt und Leib oder in Nylon gewordenen Seventies-Farbschocks.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 29. Mai 2017

  • 29. Mai 2017

Ezio – zwei Männer, zwei Gitarren

Mehr braucht es nicht

Ezio machen seit Jahrzehnten Herzblutmusik in einem Parallel-Universum

Hach. Beginnen wir diesen Text mit einem Bekenntnis: Auch spitzzüngige Konzertkritikerinnen haben Gefühle – manchmal sogar bei Musik. Ganz banale Gefühle können das sein, zumal bei Musik »von früher«. Die Band Ezio war Mitte der 1990er-Jahre mal etwas bekannter. Damals spielte SWF 3 (ja, es ist lange her) einige Ezio-Titel, die Briten waren beim New-Pop-Festival. Ezio sind zwei Männer und zwei Gitarren. Sie machen folkigen Songwriter-Pop, mit Melodien, die hängen bleiben, und klugen, pathosfreien Texten über große Gefühle. Damals war’s der perfekte Soundtrack für Liebe wie für Kummer.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 6. Mai 2017

  • 6. Mai 2017
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