Lesestoff

Ed Sheeran als Ein-Mann-Inferno

Ein Mann, eine Gitarre

Ed Sheeran steht ganz allein auf der Bühne der Porsche-Arena. Und bringt die Halle dennoch gründlich zum Wackeln

Es gibt sie noch, diese unauffälligen Typen in Jeans und Shirt, die sich eine Gitarre umhängen, kurz räuspern – und dann binnen Sekunden eine verzauberte Musik-Insel schaffen. Einer von ihnen hat es jetzt geschafft: Nach Pubs und Fußgängerzonen bespielt der 23-jährige Brite Ed Sheeran heute die großen Bühnen. Er sammelt Preise, sein Album war auf Platz 1, seine aktuelle Europa-Tour ist ausverkauft. Auch in Stuttgart hätte man am Samstag die Tickets teuer weiterverkaufen können: Vor der Porsche-Arena harrte eine Traube leer ausgegangener Fans aus und sang Sheeran-Songs, während drinnen kurz nach 21 Uhr das Betontragwerk zu beben begann.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 17. November 2014

  • 17. November 2014

Simon and Garfunkel wiederbelebt

Kratzige Stimme

Jan Plewka erobert Simon und Garfunkel

Jan Plewka taucht gern in fremde Musik ein. Der Sänger von Selig hat das vor Jahren schon mal mit Rio Reiser getan. Sein neues Programm heißt »Jan Plewka spielt Simon & Garfunkel«; am Samstag war er damit zu Gast im franz.K. Für Rio Reiser hatte Plewka genau den richtigen Tonfall, das ungestüm Laute, das rotzige Nölen, das berührende Bröckeln. Mit dem gläsernen Sound von Paul Simon und Art Garfunkel hingegen hat Plewkas Stimme ungefähr so viel zu tun wie Rumpelstilzchen mit der kleinen Meerjungfrau. Und da wäre auch noch die spannende Frage, wie einer allein eigentlich Duett singen will.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 11. November 2014

  • 12. November 2014

Judith Holofernes ziemlich solo

Judith und die neuen Helden

Die Sängerin von »Wir sind Helden« macht auf Solo-Tournee im enttäuschend schlecht besuchten franz.K Halt

Keine Chance. Man kann einfach nicht zu einem Konzert von Judith Holofernes gehen, ohne zu vergleichen. Denn Judith Holofernes war zwölf Jahre lang die Stimme der Band »Wir sind Helden« und auch für deren Texte und Botschaften zuständig. Klingt ihr neues Solo-Projekt genauso? Wie macht sie sich allein im Rampenlicht? Wird man die Helden-Band vermissen? Dafür haben sich am Dienstagabend erstaunlich wenige Leute interessiert. Nur rund 150 Tickets wurden verkauft für das Holofernes-Konzert im Reutlinger franz.K. Damit es im Club nicht gar so luftig wirkte, blieb die Tribüne geschlossen und der hintere Teil des Saals abgetrennt.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 16. Oktober 2014

  • 16. Oktober 2014

Ein Tatort-Gesicht in Tübingen

Axel, sing noch eins!

Als Kommissar Thiel ist Axel Prahl vielen TV-Guckern bekannt. Dass er ein guter Typ ist, ahnte man. Dass er auch gute Musik macht, war jetzt im Sudhaus zu hören

Axel Prahl ist einer der beliebtesten Tatort-Ermittler der Republik, aber weder groß noch schlank. Das dürfte auch in seiner Jugendblüte nicht viel anders gewesen sein. Zum Frauen-Rumkriegen brachte er sich einst das Gitarrespielen bei. Wenig erfolgreich, wie er am Samstagabend im Biergarten des Tübinger Sudhauses verriet: Am Lagerfeuer waren alle anderen längst am Knutschen, zu ihm sagten sie immer nur: Axel, komm, sing doch noch eins! Inzwischen ist der Mann alt und erfolgreich genug, um zu tun, was ihm Freude macht. Musikmachen gehört offenkundig dazu, schließlich war er in jungen Jahren auch schon zeitweise als Straßenmusiker und mit Band zugange. Und so bereist der 54-Jährige gerade Deutschland, mit einem Seebärenbart im Gesicht und einer Band namens Inselorchester im Schlepptau.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 4. August 2014

  • 4. August 2014

The BossHoss geben sich knauserig

Nach eineinhalb Stunden ist Sense

The BossHoss gelten als Live-Kracher. Das hat sich in Balingen bestätigt. Blöd nur, wenn es mit Pfiffen endet

Yeee-haw! Der Balinger Marktplatz wurde am Freitagabend zur Partymeile für echte Kerle und für Frauen, die auf echte Kerle stehen: Cowboyhüte, massive Stiefel und karierte Baumwolle an allen Ecken. Offenbar war’s auch ein guter Termin, um mal die Tattoos genüsslich spazieren zu tragen. Zum Konzert von The BossHoss waren rund 5 000 Fans gekommen, die meisten von weiter her, der Marktplatz war längst ausverkauft. Und die Erwartung hoch: Erst vor wenigen Wochen hat die Berliner Band einen Preis bekommen. »The BossHoss gewinnen World Music Award als Best Live Act«, jubelte das Management im schönsten Denglisch. Zudem ist einer der beiden Bandköpfe, Sascha Vollmer, ursprünglich Schwabe von der Ostalb, das hätte ein feines Fast-Heimspiel werden können.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 30. Juni 2014

  • 30. Juni 2014

Die Schöneberger kriegt Standing Ovations

Vier viel zu enge Kleider

Deutschlands liebste Moderatorin Barbara Schöneberger hat ihr drittes Album eingesungen und präsentiert es live

Mögen Sie Barbara Schöneberger? Ja? Na klar, so geht’s uns doch allen. Das blonde Lästermaul, Deutschlands beliebteste Moderatorin, eine ironisch zu Markte getragene Shapewear-Leistungsschau auf zwei Beinen. Wer möchte nicht mal einen lustigen Abend mit ihr verbringen? Dazu gibt es in den kommenden Wochen ein paar Gelegenheiten: Die Schöneberger startete am Mittwoch in Stuttgart ihre Deutschlandtournee, bei der sie als Sängerin ihr drittes Album »Bekannt aus Funk und Fernsehen« vorstellt.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 9. Mai 2014

  • 9. Mai 2014

Rainald Grebe macht wieder Glubschaugen

Ständchen für die Republik

Mit dem Orchester der Versöhnung spielte Grebe im Stuttgarter Theaterhaus

Hand aufs Herz: Wann sind Sie zuletzt dreieinhalb Stunden am Stück irgendwo gestanden? Ob Ihre Lendenwirbel, Knie und Moral so was mitmachen, hätten Sie am Montagabend testen können. Da war Rainald Grebe, einer der genialsten Unterhalter dieser Jahre, zu Gast im Theaterhaus. Er zelebrierte mit dem »Orchester der Versöhnung« das neue Programm »Berliner Republik«. Bis halb zwölf, während sein Publikum immer öfter auf die Uhr schaute.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 9. April 2014

  • 9. April 2014

Max Goldt drechselt Sätze

Wiedererweckte Gehirnzellen

Der Satiriker und Satzbaukünstler Max Goldt war im LTT. Ein paar Zuhörer waren auch dort.

Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendwer den Niedergang der deutschen Sprache beweint. Aber wo waren sie, all die Deutschlehrer, Germanistikdoktoranden, Feuilletonkonsumenten, Genitiv-Apostroph-Lästerer und Falscher-Weilsatz-Frustrierten? Jedenfalls nicht da, wo sie am Mittwochabend hingehört hätten: im Landestheater Württemberg-Hohenzollern. Dort war Max Goldt zu Gast, einer der großen Connaisseure und Bewahrer der deutschen Sprache. Kaum hundert Getreue verloren sich im großen LTT-Saal zwar ein wenig, doch sie ließen sich umso genüsslicher mit dieser unnachahmlich wohlgestalteten Stimme fein ziselierte Spitzfindigkeiten vorlesen.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 4. April 2014

  • 4. April 2014

James Blunt macht Frauen glücklich

Große Gefühle im Overall

Der viel geschmähte Schmusebarde James Blunt erfreut in der ausverkauften Schleyerhalle mit Ohrwürmern in Serie und irritiert mit Raketenmechaniker-Look

Häme kann ja sehr unterhaltsam sein. James Blunt gilt als Pathos-Verströmer und Schmalzlappen. Irgendein deutscher Musikkritiker hat ihm den durchaus possierlichen Spitznamen »Weinerle« angehängt. Bei den meisten Feuilletonisten ist der Hitkomponist mit dem Falsett-Faible so beliebt wie eine Wurzelbehandlung, und das lassen sie auch raushängen. Ein gutes Beispiel dafür, wie Feuilleton und Normalverbraucher manchmal gründlich aneinander vorbei leben. »Bonfire Heart«, die erste Single aus dem neuen Album des 40-jährigen Briten, stieg auf Platz eins in die Hitparade ein. Die Schleyerhalle war am Samstag randvoll, Zusatzkonzerte in Deutschland sind im Sommer und Herbst anberaumt.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 24. März 2014

  • 24. März 2014

Ein seltenes Oratorium: “Israel in Egypt”

Eine Hauptrolle für den Chor

Ein guter Griff: Der Chor der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Tübingen feierte mit Händels »Israel in Egypt« sein 50-jähriges Bestehen

Werbung ist kein Phänomen der letzten hundert Jahre. Schon der Komponist Georg Friedrich Händel musste nach einem besonders umsatzschwachen Jahr 1738 dringend in eigener Sache trommeln – und schrieb binnen eines Monats das Oratorium »Israel in Egypt«. Dieses sonst selten aufgeführte Werk hat sich der Chor der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Tübingen ausgesucht, um damit sein 50-jähriges Bestehen zu feiern. Ein guter Griff: Selten spielt der Chor derart die Hauptrolle wie bei Händels frühem Oratorium über Israels Auszug aus ägyptischer Sklaverei.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 4. Februar 2014

  • 4. Februar 2014
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