Lesestoff

Schöne Wörter schön gelesen von Max Goldt

Nicht gern halb voll

Max Goldt war im Tübinger Zimmertheater und im Reutlinger franz.K

Es sind schlechte Zeiten für Menschen, deren Herz für sprachlich Ästhetisches schlägt. Dieses vermaledeite Internet! Es zerdeppert zügig, was Generationen gedrechselt haben. Interpunktion, Groß- und Kleinschreibung, ach was, Rechtschreibung ganz generell, das alles implodiert derzeit quasi beiläufig. Braucht ja auch keiner! Dass diese Welt schlechter wird, erkennt man nicht zuletzt daran, dass immer weniger Leute zuhören, wenn einer der großen deutschen Formuleure und Sprachverfallanprangerer seine Texte vorliest. Max Goldt füllte 2009 noch den Saal des LTT. Nun wurde seine Tübinger Lesung am Montag ins Zimmertheater verlegt, wenigstens dieses war wohlgefüllt. Im größeren Reutlinger franz.K blieben am Dienstag nach schleppendem Vorverkauf die Reihen deutlich lichter.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 26. April 2017

  • 26. April 2017

Ingo Appelt ist jetzt Dienstleister

Vom »Ficken« zum Männertherapeuten

Ingo Appelt zu Gast in Reutlingen: Seine Zoten hat er inzwischen ausgetauscht

Auf die Suche nach dem optimalen Niveau für Scherze über Männer und Frauen haben sich ja schon viele Comedy- und Kabarett-Werktätige begeben. Ingo Appelt hat sein Niveau bereits lange vor Mario Barths unbegreiflichem Aufstieg betoniert: »Ficken« war über Jahre das Wort, das er so oft wie möglich in diversen TV-Formaten platzierte. Ist eine Weile her. Am Samstag kam der bald 50-Jährige mit »Besser … ist besser« ins franz.K. Die Ankündigung las sich furios: Beim »Comedy-Rüpel« könne man sich »garantiert zwei Stunden lang kaputtlachen«. Tatsächlich taten das viele, während Appelt die Tabus niedermähte wie ein Einjähriger die Bauklötzchentürme.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 27. März 2017

  • 27. März 2017

Bela B gibt den Sartana

Liebe zwischen Colts und Koyoten

Bela B fusioniert seine Leidenschaften, indem er einen Live-Hör-Comic auf die Bühne bringt. Mit dem Spaghetti-Western-Projekt »Sartana« war er im Stuttgarter Theaterhaus

In der Liebe ist es doch so: Man mag jemanden schon sehr. Plötzlich öffnet sich derjenige und zeigt noch mehr von sich. Etwas Neues, bislang Verborgenes, vielleicht Unerwartetes. Was macht ein Liebender da (zumindest wenn das Neue nicht blöderweise scheußlich ist)? Man ist angerührt, empfindet neue Nähe, es wächst mehr Liebe. Etwas ähnlich Romantisches hat sich am Dienstagabend in Stuttgart abgespielt, wenn auch getarnt durch Gelächter und coole Posen. Knapp 1000 Menschen, die Bela B eh schon ziemlich lieben (er ist langjähriges Mitglied der Band »Die Ärzte«), kamen im Theaterhaus zusammen. Dort konnten sie ihren Bela in vergleichsweise kleinem Rahmen treffen und eine neue Facette des Mittfünfzigers kennenlernen.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 9. März 2017

  • 9. März 2017

Ina Müller in der Porsche-Arena

Weiblich. Lustig. 51.

Ina Müller singt in der Porsche-Arena über Männer, Liebe, Sex und das Gedöns mit dem körperlichen Verfall

»Weiblich. Ledig. 40.« So hieß das Album, mit dem es vor knapp zehn Jahren anfing. Seit damals schreibt Ina Müller drollige bis tiefschürfende Lieder entlang ihrer Lebensphasen. Mittlerweile ist die TV-Moderatorin und Kabarettistin 51 Jahre alt, also geht’s allmählich um körperlichen Verfall. Das wollen viele hören, auch hier im Süden. Fischkopp Ina Müller ist bekannt wie ein bunter Seehund, spätestens seit ihre trinkfreudige, indiskrete Talkshow »Inas Nacht« ins Erste Programm umzog. Am Freitag gastierte sie mit ihrer Band und der »Juhu-Tour« in der nahezu ausverkauften Porsche-Arena. Rund 7 000 Fans waren mit Freuden bis Lachtränen dabei, als »die Müllerin« ihre aktuelle Nabelschau ausbreitete.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 20. Februar 2017

  • 20. Februar 2017

Musical mit Mängeln

»Sissi!« – »Franz!«

Royale Kostümschau mit Zuckerguss und erheblichen Mängeln: Das Musical »Sissi« gastierte in Reutlingen

Das passt ja wie Gesäß auf Gefäß, ruft man etwas verblümt angesichts dieses Termins: Da hat doch jemand aus zwei kommerziellen Volltreffern fix einen neuen gezimmert. Man nehme die kultkitschigen »Sissi«-Filme mit Romy Schneider, beliebte Zutat zur weihnachtlichen Gemütserwärmung. Und verrühre den Stoff mit der für Pathos und Kostümreigen prädestinierten Gattung Musical.

Selbstverständlich entsteht daraus ein Selbstläufer. Selbstverständlich kann man die Reutlinger Stadthalle damit alle paar Jahre von Neuem beglücken. Und selbstverständlich waren am Montagabend etliche Sissi-Fans bereit, dafür viel Geld auszugeben: Tickets an der Abendkasse kosteten zwischen 55 und 75 Euro, der Saal war knapp zu einem Drittel besetzt mit gut dreihundert zahlenden Gästen. Für dieses erkleckliche Sümmchen erlebten sie eine Bühnendarbietung der Kategorie »kommerzorientiertes Unterhaltungspotpourri«, deren Qualität arg hinterm Preis herhinkte.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 11. Januar 2017

  • 11. Januar 2017

Beatrice Egli bereist Schlagerwelten

Vom Ablegen der Hemmungen

Beatrice Egli inszeniert ihr Konzert in der Stuttgarter Liederhalle als Weltreise mit »Egli Air«. Ein Abend, an dem alles perfekt durchgestaltet ist

Das vielleicht Wichtigste über Beatrice Egli: Sie hat Dieter Bohlen entspannt lächelnd die Stirn geboten. 2013 war das, als sich die kurvige Blondine bei seiner Casting-Show »Deutschland sucht den Superstar« mit einem Helene-Fischer-Schlager bewarb. Auch auf fiese Nachfragen hin bekannte sie sich tapfer zur Schlagermusik. Auf Häme folgte Anerkennung, am Ende war Egli die Siegerin, und ab dann waren Hitparaden-Erfolge und ein kometenhafter Einstieg in die Schlagerwelt quasi ein Spaziergang. Inzwischen gehört die heute 28-jährige Schweizerin zum Schlager-Establishment – erste Liga. Am Samstag in der Stuttgarter Liederhalle, bei einem Konzert ihrer »Kick im Augenblick«-Tournee, konnte man nachvollziehen, wieso.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 17. Oktober 2016

  • 17. Oktober 2016

Birdy und ihre vielen Talente

Mit der Feenstimme im Klopapierwald

Die britische Songwriterin Birdy, 20 Jahre jung, bezauberte am Donnerstag ihre Gäste im Theaterhaus

Mit 19 Jahren hatte Adele, derzeit erfolgreichste Sängerin weltweit, ihre ersten großen Hits veröffentlicht. Sehr jung? Oh, das ist doch noch gar nichts. Als Birdy beim Talentwettbewerb gewann, war sie zwölf. Und als sie ihre erste Single in die Hitparaden brachte, süße 14. Mittlerweile ist die junge Britin 20 und tourt mit ihrem dritten Album. Am Donnerstag war sie im Stuttgarter Theaterhaus zum ersten von sieben Deutschland-Konzerten. Genau eineinhalb Stunden lang. Und wirklich bezaubernd.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 1. Oktober 2016

  • 1. Oktober 2016

Andreas Kümmert sucht seine Balance

Anders als die anderen

Andreas Kümmert sang „Live & akustisch“ im ausverkauften franz.K

Wer halbwegs popmusikinteressierten Menschen den Namen Andreas Kümmert nennt, hat sofort eine Debatte am Hals. Darf jemand, der beim Vorentscheid zum »Eurovision Song Contest« antritt und gewinnt, zurückziehen und das Finale verweigern, wie Kümmert es 2015 tat? Klare Mehrheitsmeinung: Geht gar nicht. Der Anstand, die Regeln, was man den Fans schuldig ist und so weiter. Ist das so? Gehört jemand, der A gesagt hat, ab sofort der Musikindustrie und ihren Regeln?

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 4. April 2016

  • 4. April 2016

Zeitreise zu Paul Simon

Wenn Mama morgens anruft

»Still Crazy After All These Years« ist ein Liederabend über Paul Simon. Am Donnerstag hatte er Premiere im Theater Die Tonne

Sound of Silence. Bridge over troubled Water. Und natürlich Mrs. Robinson: Alles Welthits von Paul Simon. Wer kennt ihn nicht? Er war der kreative Kopf von Simon & Garfunkel. Aber Moment mal: Das Duo hat ja seit 1970 kein Album mit neuen Songs herausgebracht. Seither sind viereinhalb Jahrzehnte verstrichen, in denen Paul Simon munter solo musizierte. Wer kennt ihn eigentlich wirklich?

Ein Speed-Dating mit der Biografie und Musik dieses Mannes gab es am Donnerstag im Spitalhof. Im Theater Die Tonne war Premiere und Uraufführung von »Still Crazy After All These Years« – ein Liederabend von und mit Chrysi Taoussanis, Christian Dähn und Heiner Kondschak.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 5. März 2016

  • 5. März 2016

Axel Hacke gegen die Dummheit

Der Gentleman-Formuleur

Axel Hacke stellte im Kulturzentrum franz.K sein aktuelles Buch vor: »Das kolumnistische Manifest – Das Beste aus 1001 Kolumnen«

»Kolumne, die. Von stets demselben [prominenten] Journalisten verfasster, regelmäßig an bestimmter Stelle einer Zeitung oder Zeitschrift veröffentlichter Meinungsbeitrag.« So weiß es der Duden. Man staunt fast, dass er Axel Hacke nicht als Beispiel aufführt. Denn der gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Kolumnisten Deutschlands. Seine kurzen Grübeleien und Wortkunstwerke, vor allem von der Süddeutschen Zeitung publiziert, packte er inzwischen auch in 25 Bücher. Am Mittwochabend kamen etwa 200 Gäste ins franz.K, um dem 60-Jährigen zu lauschen. Sie begegneten einem Gentleman-Formuleur, der vortrefflich pointierte und unterhielt, der plauderte und vorlas aus seinem Textrepertoire von Jahrzehnten.

Den Artikel weiterlesen im Reutlinger General-Anzeiger vom 26. Februar 2016

  • 26. Februar 2016
4 of 10
12345678